Rivulus xiphidius “SD-FG 03/10 Crique Blanche”

Rivulus xiphidius gehört zu den begehrtesten Killifischen. Unter den Bachlingen, wie man Angehörige der Gattung Rivulus zu nennen pflegt, ist er sicherlich der Begehrteste. Die Art ist über die Grenzen der Killianer-Szene hinweg bekannt. Wenn sich die Männchen nach etwa 3 Monaten beginnen auszufärben, prangen sie in plakativen Blau-, Rot- und Grüntönen. Voll ausgefärbt sind sie allerdings frühestens nach einem halben Jahr. Weibliche Tiere bleiben graubraun und zeigen den typischen anthraziten Horizontalbalken, der je nach Fundort auch leicht bläulich schimmern kann. Den Weibchen fehlt der ansonsten typische Rivulusfleck. Alle mir bekannten Fundortvarianten brillieren mit ihren Farben, die einzige Ausnahme scheinen Männchen des Stammes „Chutes de Fourgassie“ darzustellen; die Rottöne in der Anale sowie Caudale sind nur blass ausgeprägt. Vielleicht „standen“ die Tiere aber auch einfach nur schlecht und zeigten nicht ihre volle Pracht.

Rivulus xiphidius “FBS 95/2” - Aquariumtier

Meine Erfahrungen mit dieser Art konzentrieren sich auf Fische mit den Fundortsbezeichnungen „FBS 95/2“ und „SD-FG 03/10 Crique Blanche“. Letztere wurden im Jahre 2003 durch Christoph Samborski/Walldürn und H. Divossen in Französisch Guyana gesammelt. Ich erhielt 2 Paare F1-Nachzuchten, also Wildfangnachzuchten, und konnte damit meinen Bestand aufbauen.
In der Natur lebt Rivulus xiphidius in kleinen Bachläufen, die einen leicht sauren pH-Wert und keine oder nur sehr geringe Härtergrade aufweisen. Christoph Samborski überlies mir freundlicherweise neben Aufnahmen auch Biotopinformationen, so auch die Wasserwerte, die wie folgt waren; am 25.01.2003 nachmittags gegen 15 Uhr betrug die Lufttemperatur 32°C, die Wassertemperatur 23°C, der pH-wert 6,7, die deutsche Gesamthärte 0°, die Karbonathärte 0,5°. Es wurden 10µS/cm Leitfähigkeit des schwach gelblichen Wassers ermittelt. Der Crique Blanche ist am Fundort grobsandig bis kiesig sowie rund 6m breit und durchschnittlich 1m tief. Rivulus xiphidius lebt im Crique Blanche syntop mit Oditichthys igneus, Laimosemion geayi, den Salmlern Copella arnoldi, Characidium fasciatum, Hemigrammus guianensis,den Buntbarschen Apistogramma sp., Aequidens guianensis, Geophagus sp. sowie Nannacara sp. aff. aureocephala . Als einzige Wasserpflanze wurde eine Acorus-ähnliche genannt. Bemerkenswert war, dass die gefangenen Killis am Fundort so gut wie keine Färbung zeigten, später in den Aquarien der Fänger dafür aber umso mehr glänzten.
Ökologie/Pflege
Ich verwende zur Zucht Becken mit den Maßen 45x20x20cm. Diese beinhalten nur einen Schwammfilter, der das sehr weiche und saure Wasser nach dem Luftheberprinzip filtert, und einen Mop aus synthetischen, schwarzen Wollfasern. Das Zuchtwasser sollte möglicht stark gealtert sein. Frischwassergaben sind für Rivulus xiphidius ein echter „Abtörner“. Werden Wasserwechsel zu häufig oder zu umfangreich durchgeführt stellt R. xiphidius das Laichgeschäft ein. Man kann deutlich erkennen, dass mit zunehmenden Frischwassergaben die Eizahl abnimmt. Da ich keinen Heizer zur Temperierung verwende, schwanken die Temperaturen. Liegen die Temperaturen unterhalb 22°C geht die Anzahl der abgelegten Eier erheblich zurück. Die optimale Temperatur des Ansatzwassers sollte zwischen 24°C und 27°C liegen, außerdem sollte es stark braun eingefärbt sein. Zur Herstellung eines geeigneten Zuchtwassers verwende ich Umkehr-Osmose-Wasser, aufbereitet mit einigen Erlenzäpfchen. Wasseraufbereitungsmittel aus dem Handel finden keinen Einsatz.
Zucht
In den Ansatzbecken füttere ich ausschließlich Lebendfutter, vorzugsweise weiße Mückenlarven, da diese die Laichbildung der Weibchen fördern und unter normalen Bedingungen nicht in den Becken absterben. Somit komme ich dem Bedürfnis der ständigen Futteraufnahme entgegen und verschmutze das Wasser nicht durch unverwertetes Futter.
Der Ansatz erfolgt paarweise oder als Trio. Die Zuchttiere sollten mindestens acht Monate alt sein. Mit einem Werbungstanz führt das Männchen das Weibchen in den Laichmop, die Laichabgaben finden hauptsächlich im oberen Drittel des Mops statt. Rivulus xiphidius legt sehr große Eier, deren Anzahl unter guten, konstanten Bedingungen täglich bei fünf Eiern pro Weibchen liegt. Dies ist der Spitzenwert und wird nicht über Wochen erreicht. Der kostbare Kaviar wird manuell aus dem Mop abgelesen. Oftmals liegen zwei oder sogar drei Eier nah beieinander und können leicht gefunden werden. Für die Inkubation wende ich ausschließlich die Nassmethode an, ich überführe sie in kleine Kunststoffbehältnisse mit einem Wasservolumen von circa 30ml. Nach rund 2 Wochen schlüpfen die Jungfische und werden in flache Schalen zur weiteren Aufzucht überführt. Diese sind mit einigen Schwimmpflanzen bestückt, um den Jungen neben den von mir gereichten Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen Kleinstorganismen als erste Nahrungsgrundlage zu bieten.
Außerdem entgiften die Pflanzen das Wasser und sorgen somit für ein besseres Milieu. Sobald die Nachkommen rund einen Zentimeter Länge haben, setze ich sie in ein größeres Becken zur weiteren Aufzucht. Gut bepflanzt, mit einigen Schwimmpflanzen versehen, fühlen sich die jungen Rivulus in den Becken sicher und springen weitaus weniger als in kahlen Becken. Generell sollten alle Rivulusbecken sorgfältig abgedeckt sein; Rivulus springen häufig und zielsicher durch die kleinsten Ritzen und Spalten in der Abdeckung. Sie können sich mittels Unterdrucks an Einrichtungsgegenständen oberhalb des Wasserspiegels, so auch den Aquarienscheiben, festhaften. Der Unterdruck wird im Brustbereich zwischen den Brustflossen erzeugt. Natürlich muss dazu der Untergrund einen gewissen Feuchtigkeitsgrad und Oberfläche aufweisen.
Das größte Problem bei der Zucht von Rivulus xiphidius stellt das ungleiche Verhältnis der Geschlechter dar. Alle Züchter, mit denen ich über das o. g. Problem gesprochen habe, haben das gleiche Problem; Männchen, Männchen, Männchen. Ein bekannter Züchter aus meiner Region erzählte mir sogar von 250 Tieren, die sich allesamt zu „wunderschönen“ Männchen entwickelten. Wahrscheinlich sind aber sowohl die erhebliche Anzahl der nachgezogenen R. xiphidius als auch Aussage, dass sich kein Weibchen unter den 250 Tieren entwickelte, dem Aquarianerlatein zuzuordnen. De facto müssen aber viele Züchter mit extrem einseitigen Geschlechterverhältnis zugunsten der männlichen Nachkommenschaft leben. Eben aus diesem Grunde habe ich den Stamm „FBS 95/2“ aufgegeben, da sich nach einem halben Jahr rund 90% der Nachkommen als Männchen entpuppten. Derzeit züchte ich den Stamm „SD-FG 03/10 Crique Blanche“ aus dem Jahr 2003, der dem älteren bezüglich der Farbigkeit in nichts nachsteht. Unter meinen Bedingungen erziele ich 30-40% Männchen, was der Verbreitung des Stammes sehr entgegen kommt.
Ein weiterer Nachteil bei der Vermehrung von Rivulus xiphidius ist der auftretende Xanthorismus. Einzelne Tiere erscheinen gelblich, manche am Vorderkörper, wieder andere sind gänzlich xanthorisch. Das schwarze Auge sticht dann deutlich hervor, die Tiere sehen atypisch hässlich schmutzig aus. Der Xanthorismus kann sich im Alter abschwächen, ja sogar gänzlich verschwinden. Der Prozentsatz von xanthorischen Tieren beim „FBS 95/2“-Stamm war signifikant höher als beim Stamm aus dem Crique Blanche. Weniger als 5% meiner Nachzuchten vom Crique-Blanche-Stamm zeigen diese Farbabweichung.
Nachteile
Der Crique Blanche - ein Weißwasser führender Bach in Französisch Guyana. Picture by Cristoph Samborski.
Rivulus xiphidius ist ständig auf der Suche nach Fressbarem, die Art ist ein Dauerfresser, aber kein Vielfrass. Nur geringsten Mengen an lebenden Cyclops, kleinen Daphnien oder Artemia-Nauplien werden angenommen. Natürlich werden auch andere lebende Futtermittel, wie weiße Mückenlarven oder Eintagsfliegenlarven, gern gefressen. Nun mögen viele unter Ihnen nicht weiterlesen wollen, ist doch die Beschaffung der lebenden Futtertiere zeitaufwändig und somit schlichtweg teuer. Rivulus xiphidius hat aber Einsehen mit denjenigen unter uns, die nicht im 2-Tages-Rhythmus tümpeln gehen können. Verschiedene Frostfutter, natürlich nur in maulgerechter Größe, und hochwertiges Flockenfutter werden angenommen. Außerdem wird das Futter ebenso vom Bodengrund aufgenommen.
Die vorhandenen Killifische leben hauptsächlich in den beruhigten Zonen, wo sich auch Falllaub ansammeln kann, in dem die Rivulus Deckung suchen und finden. Dieses Verhalten findet sich auch im Aquarium wieder; Rivulus xiphidius schmiegt sich an alle erdenklichen Einrichtungsgegenstände, hierzu dienen die Aquarienscheiben, Wurzeln und natürlich Wasserpflanzen. Dem Bedürfnis nach Schutz durch Unterstände sollte der Pfleger nachkommen, indem er das Hälterungsbecken stark bepflanzt und Unterstände durch eingebrachte Wurzelstücke schafft. Ist das Becken artgerecht eingerichtet migriert R. xiphidius von Deckung zu Deckung. Nur selten stehen die Tiere im freien Wasser, wenn, dann nur um kurz innezuhalten und anschließend weiter in Richtung Unterstand zu schwimmen.


Die Rivulus hielten sich in den beruhigten Zonen auf. Picture by Cristoph Samborski.

Rivulus xiphidius “S-FG 04 N2 - km 27,5” - Wildfang-Männchen. Picture by Cristoph Samborski.



Rivulus xiphidius “S-FG 04 Crique Blanche”. Ein bestechend gefärbtes Wildfang-Männchen. Picture by Cristoph Samborski.
Biotop “S-FG 04 Montagne des Singes”. Die gefangenen Rivulus xiphidius sind weitaus heller gefärbt als die anderen Fundortvarianten. Die Aufnahme zeigt ein WF-Männchen vom Fundort. Rivulus xiphidius lebt hier syntop mit Rivulus cladophorus. Pictures by Cristoph Samborski.
Marco Endruweit, 17.09.2004, updated 04.11.2005, updated 03.01.2009